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18. September 2026  ·  🔭 Astronomie 🖥️ Technologie

Lohnt sich die Nacht? Mein Astro-Wetter – und woher jede Zahl darin kommt

Vor jeder Nacht steht dieselbe Frage: Lohnt es sich, das Rig zu starten? Die Wetter-Apps auf dem Handy beantworten sie nicht. Sie sagen mir, ob ich einen Regenschirm brauche – nicht, ob in der astronomischen Dunkelheit zwischen 22 und 4 Uhr eine Lücke in den hohen Wolken steht, ob der Jetstream die Sterne zerflimmern lässt und ob der Mond genau dann im Weg ist.

Den Anstoß, es wirklich zu bauen, gab eine Entdeckung: Open-Meteo hat eine richtig gute kostenlose API – saubere Daten aus den offiziellen Modellen, ohne Konto, ohne Schlüssel, ohne Registrierung. Und eine Astro-Wetter-Anzeige, die ich gut lesen kann, wollte ich mir schon lange einmal bauen. Mit so einer Datenquelle gab es keinen Grund mehr, es nicht zu tun.

Also habe ich mir die Antwort selbst gebaut: Astro-Wetter, sieben Tage auf einen Blick, gemacht für diese eine Frage. Es läuft komplett im Browser, ohne Konto und ohne App. Dieser Artikel zeigt, was es anzeigt – und vor allem, woher jede einzelne Zahl stammt: was gemessenes Modell ist, was meine eigene Schätzung, und wohin dabei deine IP-Adresse geht.

Diese vier Standorte kann man abrufen

Die Auswahlliste ist kurz, und das ist Absicht – der Grund steht weiter unten. Es sind die Orte, an denen ich beobachte oder beobachten lasse:

Dazu kommt Eigene Koordinaten für jeden beliebigen Ort der Welt – der einzige Punkt der Liste, den ich hinter ein Passwort legen musste. Auch dazu unten mehr.

Sieben Tage auf einen Blick

Wochengrafik des Astro-Wetters: Mondphasen und Sonnenzeiten oben, darunter Zeilen für Gesamtbewertung, Wolken, ECMWF, Seeing und Transparenz, dann Wind, Temperatur und Taupunkt
Eine Woche in Texas. Jede Spalte ist eine Stunde, je kräftiger das Blau, desto besser. Die dunklen Spalten sind die astronomische Nacht, die rote Linie ist jetzt. Unten die Bewertung Stunde für Stunde und der Schnitt jeder Nacht.

Die Zeile Gesamt verdichtet jede Stunde auf einen Wert zwischen 0 und 100 Prozent: ab 85 Prozent ausgezeichnet, ab 65 gut, ab 45 mittel, ab 25 schlecht. Die Wolken bestimmen darin fast alles – halb bedeckt heißt höchstens 25 Prozent, und das ist Absicht: Unter geschlossener Bewölkung nützt das beste Seeing nichts.

Darunter stehen die Zutaten einzeln, damit man sieht, warum eine Nacht schlecht bewertet ist: Wolken, die Wolken des zweiten Modells zum Vergleich, Seeing, Transparenz, Wind mit Richtung, Temperatur und Taupunkt. Liegen Temperatur und Taupunkt dicht beieinander, beschlägt die Optik – der Abstand wird deshalb ab 4 °C orange und ab 2 °C rot.

Und die eine Nacht im Detail

Ein Klick auf eine Nachtzeile klappt die Nacht auf: Mittag bis Mittag, Stunde für Stunde.

Nachtdetail: Dämmerungsband mit astronomischer Dunkelheit, Höhenkurven von Sonne und Mond, darunter stundenweise Gesamt, Wolken nach Höhe, ECMWF, Seeing, AOD, Wasserdampf, Staub, Sicht und Regen
Dieselbe Nacht ausgeklappt. Oben das Dämmerungsband mit der astronomischen Dunkelheit und dem hellblauen Streifen für die mondlose Zeit, darunter jede Stunde in Zahlen. Über der Grafik steht, welches Modell diese Nacht geliefert hat.

Hier steht auch die Zeile, die mir am wichtigsten ist: astronomisch dunkel 21:02–06:02 (9,0 h) – ohne Mond 6,4 h. Neun Stunden Dunkelheit sind schön, aber wenn der Mond sechs davon mit 44 Prozent beleuchtet am Himmel steht, ist das für Schmalband eine gute und für RGB eine mäßige Nacht.

Woher die Daten kommen

Alle Wetterdaten holt der Browser bei Open-Meteo, einem Dienst aus der Schweiz, der die offenen Daten der Wetterdienste ausliefert. Das Tool ruft drei Adressen auf und rechnet den Rest selbst:

QuelleWas daraus kommtAuflösung
ICON (Deutscher Wetterdienst)In Europa alles Gemessene: Wolken in drei Höhen, Temperatur, Taupunkt, Feuchte, Wind am Boden und in vier Druckniveaus, Sicht, Niederschlag, Wettersymboleerst ICON-D2 mit 2,2 km, dann ICON-EU mit 7 km, zuletzt global mit 11 km
GFS und HRRR (NOAA)Dasselbe überall sonst – also auch für mein Rig in TexasHRRR mit 3 km für rund zwei Tage in Nordamerika, sonst GFS mit 13 km
IFS (ECMWF)Die Bewölkung als zweite Meinung und die Wasserdampfsäule9 km, weltweit
CAMS (Copernicus)Aerosol-Dichte (AOD) und Mineralstaub – die Grundlage der Transparenzreicht vier bis fünf Tage, danach bleibt die Zeile grau
meteoblueDie animierte Wetterkarte unter der Tabelle – fremde Daten, nicht Teil der Berechnunglädt erst nach einem zweiten Klick
Dein BrowserSonne, Mond, Dämmerungsgrenzen, Mondphase und mondfreie Zeit – gerechnet, nicht abgefragtauf die Minute

Die kostenlose Nutzung hängt an zwei Bedingungen, die beide erfüllt sind: nicht kommerziell, und die Quelle muss genannt werden – deshalb steht unter der Grafik Weather data by Open-Meteo.com mit dem Hinweis auf die Lizenz CC BY 4.0.

Welches Modell eine Nacht geliefert hat, steht über dem Nachtdetail – im Screenshot oben HRRR (NOAA) mit 3 km. Die Grenze verläuft bei 29,5 bis 70,5° Nord und 23,5° West bis 62,5° Ost: innerhalb dieses Kastens ICON, draußen NOAA.

Warum in Texas nicht ICON rechnet

ICON gibt es auch global, es hätte also überall gereicht. Bevor ich die Modelle nach Region aufgeteilt habe, habe ich sie verglichen: 30 Nächte rund um Starfront, Modellvorhersage gegen die Wolkenmeldungen der umliegenden Flughäfen. GFS und HRRR lagen dort deutlich näher an dem, was tatsächlich am Himmel stand; ICON global war der schwächste der drei. Seitdem gilt: im ICON-Kasten das deutsche Modell, draußen die amerikanischen.

Die zweite Wolkenzeile ECMWF ist aus demselben Misstrauen geboren. Sie fließt in keine Bewertung ein, sie steht nur da und zeigt, ob zwei unabhängige Rechenzentren dasselbe erwarten. Sind sich beide einig, kann man planen; widersprechen sie sich, heißt das schlicht: Die Vorhersage ist unsicher, schau morgen nochmal.

Drei Zeilen sind meine Schätzung – und sie sind als solche gekennzeichnet

Das ist der Teil, den ich am deutlichsten schreiben will, weil er sich auf den ersten Blick genauso amtlich anfühlt wie der Rest: Seeing, Transparenz und die Gesamtbewertung liefert kein Wetterdienst. Die rechnet das Tool selbst aus den Modelldaten.

Diese Gewichte sind nicht gegen Beobachtungen kalibriert. Sie treffen die Tendenz – mehr behaupte ich nicht, und das steht auch auf der Seite selbst. Wer daraus eine Nachtplanung macht, sollte die Wolkenzeile ernst nehmen und die anderen beiden als Hinweis lesen.

Was dagegen nachgemessen ist

Bei allem, was das Tool selbst rechnet, habe ich gegen unabhängige Quellen geprüft:

Was die Seite über dich verrät

Ein Wetter-Tool ist eine Standortabfrage, und das ist nichts, was man nebenbei verschenkt. Deshalb:

Was es nicht kann

Sieben Tage sind die Reichweite der Modelle, nicht meine Wahl – und die letzten beiden Tage sind eine Tendenz, kein Termin. Die Transparenz endet nach vier bis fünf Tagen mit CAMS. Und das Seeing bleibt eine Ableitung aus dem Wind: Ein Abend, an dem die Luft über dem Teleskop lokal steht, während der Jetstream tobt, kommt darin nicht vor.

Was das Tool bewusst nicht macht, ist die zweite Hälfte der Planung: Wo steht der Mond, welche Objekte sind überhaupt hoch genug, wann kulminiert was? Das steht nebenan im Beobachtungsplaner, der dieselben Standorte kennt – und der inzwischen auch sagt, wie viele nutzbare Dunkelstunden ein Objekt über 30 Grad hat.

Fazit

Die Frage vor der Nacht ist beantwortet, und zwar mit einer Zahl, die man aufmachen und bis zur Quelle zurückverfolgen kann: Gesamtbewertung, dahinter die Wolken, dahinter ICON oder GFS, dahinter ein Wetterdienst mit Namen. Was gerechnet ist, steht als gerechnet da; was geschätzt ist, steht als geschätzt da.

Das ist mir bei einem selbstgebauten Werkzeug wichtiger als jede weitere Zeile in der Grafik: Man muss wissen dürfen, wie sicher eine Aussage ist, bevor man ihr eine ganze Nacht anvertraut.

🔭 Zum Tool: Astro-Wetter →  ·  Die andere Hälfte der Planung: Beobachtungsplaner →  ·  Der Standort in den Screenshots: Mein Rig @ Starfront in Texas →