Mein Rig @ Starfront in Texas
Starfront Observatories – das offizielle Video
Mein Astrofotografie-Rig steht remote bei Starfront Observatories in Texas, USA – auf einem Lite Pier in Building 8, unter einem der dunkelsten Himmel, die man mit einem gehosteten Setup erreichen kann. Starfront liegt in Rockwood bei Brady in Zentral-Texas, dem geografischen „Heart of Texas“, fernab der Lichtglocken großer Städte – der Himmel dort ist mit Bortle 1 klassifiziert (SQM 21–22 mag/arcsec²), bei 220–250 klaren Nächten pro Jahr. Die lokale Zeitzone ist US Central Time (UTC−6, 7 Stunden hinter Deutschland) – während in Texas klare Nacht herrscht, beginnt in Deutschland also schon der Tag.
Ein Eindruck vom Standort – das offizielle Video von Starfront Observatories:
Betrieben wird das Rig komplett aus Deutschland: Sequenzierung, Guiding, Fokussierung und Stromsteuerung laufen remote, und die Rohdaten finden automatisch ihren Weg nach Hause.
Das Rig im Überblick
- Teleskop: William Optics GT81 – 81 mm f/5,9 FPL-53-Triplet-Apochromat, 478 mm Brennweite
- Reducer/Flattener: WO FLAT6AIII 0,8× → 382,4 mm bei f/4,72
- Montierung: ZWO AM5 Harmonic-Drive-Montierung auf festem Pier (ohne Gegengewicht, ≈ 7,3 kg von 13 kg Zuladung)
- Hauptkamera: Player One Ares-M Pro – IMX533 mono, 3008² px, 3,76 µm – Auflösung 2,03″/px, Bildfeld 1,69° × 1,69°
- Filterrad: ZWO EFW 8× 1,25″ – Ha, OIII, SII + LRGB (parfokal – ein Spacer-Stack, kein Umbau nötig)
- Fokussierer: ZWO EAF am 2,5″-Zahnstangenauszug des GT81
- Guiding: WO 50 mm f/4 Leitrohr + ASI290MM Mini – 2,99″/px, ~1,5× der Aufnahme-Auflösung
- Taukontrolle: Dew-Not-Heizbänder an beiden Taukappen, automatisch gesteuert über einen Temperatur-/Feuchtesensor
- Rig-PC: Beelink EQ14 Mini-PC (Windows 11) an einer VESA-Pier-Halterung
- Pier-Kamera: ZWO ASI662 (IMX662, 1920×1080) – fest am Pier montiert, mit Blick auf Rig und Dach
- Stromverteilung: Pegasus Pocket Powerbox Advance Gen2 + APC Back-UPS + Kasa HS300 Smart-Steckdosenleiste
Mechanischer Aufbau & optische Strecke
Der komplette Lastpfad vom Pier aufwärts, die Abbildungsstrecke vom GT81 bis zum Sensor (mit dem vollständigen Backfokus-Budget von 55,7 mm von der Flattener-Fläche bis zum Sensor) und der Guide-Strang auf den Rohrschellen:
Strom-, USB- & Netzwerk-Topologie
Der Netzstrom läuft über eine APC-USV in die Kasa HS300 Smart-Steckdosenleiste; die Pegasus PPBA Gen2 verteilt 12 V und USB auf der Montierung und steuert die Tauheizungen über ihren Temperatur-/Feuchtesensor. Der Beelink hängt mit statischer IP im Starfront-Netzwerk, und eine Pier-Kamera (ZWO ASI662) behält Rig und Dach im Blick:
Software-Stack
N.I.N.A. ist der Orchestrator – Advanced Sequencer, Autofokus, Meridian-Flip und das Ground-Station-Plugin für Alerts nach Discord. PHD2 übernimmt das Guiding, ASTAP das Plate-Solving und Pegasus Unity die Powerbox. Alles kommuniziert über die ASCOM-Plattform – jedes Gerät lässt sich tauschen, ohne dass N.I.N.A. etwas davon merkt. Der Fernzugriff aus Deutschland läuft über ein WireGuard-VPN und Remote-Desktop; die Kasa-Steckdosenleiste bietet Out-of-Band-Stromsteuerung – der einzige Weg hinein, wenn der PC selbst nicht mehr reagiert.
Datenpfad
N.I.N.A. schreibt FITS-Dateien auf die SSD des Beelink; rclone kopiert sie inkrementell und unbeaufsichtigt nach Dropbox. Zu Hause in Deutschland öffnet Siril die Dateien direkt aus Dropbox – kein manueller Transfer an irgendeiner Stelle.
Eine Nacht bei Starfront
Zeitraffer von der Pier-Kamera: