Mein Rig @ Starfront in Texas
Starfront Observatories – das offizielle Video
Mein Astrofotografie-Rig steht remote bei Starfront Observatories in Texas, USA – auf einem Lite Pier in Building 8, unter einem der dunkelsten Himmel, die man mit einem gehosteten Setup erreichen kann. Der Ort ist Rockwood bei Brady in Zentral-Texas, dem geografischen „Heart of Texas“: 430 Meter Höhe, keine größere Stadt in Reichweite, deren Lichtglocke bis dorthin trägt. Wie dunkel es dort wirklich ist, habe ich inzwischen selbst gemessen – und weil das Gelände beim Minor Planet Center als eigene Sternwarte geführt wird, sind auch die Koordinaten amtlich. Beides steht unter dem Video.
Ein Eindruck vom Standort – das offizielle Video von Starfront Observatories:
Standortdaten
| MPC-Code | V57 – beim Minor Planet Center als eigene Sternwarte geführt: „Starfront Observatories, Rockwood“ |
| Position | 31° 32′ 49,6″ N, 99° 22′ 56,1″ W (MPC-Schreibweise: 31,547099° N, 260,61774° östl. Länge) |
| Höhe | 431,9 m über dem Meer (1.417 Fuß) |
| Parallaxkonstanten | ρ cos φ′ = 0,853050 · ρ sin φ′ = +0,520209 – damit rechnet das MPC eingereichte Messungen auf den Erdmittelpunkt um |
| Zeitzone | US Central – CST (UTC−6) im Winter, CDT (UTC−5) im Sommer |
| Zeitdifferenz | 7 Stunden hinter Deutschland – außer je zwei bis drei Wochen im März und Ende Oktober, wenn USA und EU an verschiedenen Terminen umstellen; dann 6 |
| Himmelshelligkeit | SQM ≈ 21,9 mag/arcsec² → Bortle 2 – selbst gemessen, aus 0,68 e⁻/px/s im Luminanzfilter zurückgerechnet (Herleitung) |
| Klare Nächte | 220–250 pro Jahr (Angabe des Betreibers) |
MPC-Zeile im Original: V57 260.61774 0.853050 +0.520209 Starfront Observatories, Rockwood. Starfront selbst wirbt mit Bortle 1 – meine Messung landet knapp darunter, innerhalb ihrer eigenen Unsicherheit von rund zwei Zehntel Magnituden.
Betrieben wird das Rig komplett aus Deutschland: Sequenzierung, Guiding, Fokussierung und Stromsteuerung laufen remote, und die Rohdaten finden automatisch ihren Weg nach Hause.
📖 Wie wurde dieses Rig meins? Die ganze Geschichte – ein gebrauchtes Turnkey-Rig, das schon unter Texas-Himmel stand, gekauft vom Sofa aus über Discord, und alles, was man erbt, wenn man ein fremdes System übernimmt: 8.500 Kilometer zum besseren Himmel →
💡 Neu seit dem 10. August 2026: ein motorisiertes Flat-Panel vorn auf der Taukappe. Damit kalibriert sich das Rig am Ende jeder Nacht selbst. Ein Deckel, der leuchtet →
Das Rig im Überblick
- Teleskop: William Optics GT81 – 81 mm f/5,9 FPL-53-Triplet-Apochromat, 478 mm Brennweite
- Reducer/Flattener: WO FLAT6AIII 0,8× → 382,4 mm bei f/4,72
- Montierung: ZWO AM5 Harmonic-Drive-Montierung auf festem Pier (ohne Gegengewicht, ≈ 7,3 kg von 13 kg Zuladung)
- Hauptkamera: Player One Ares-M Pro – IMX533 mono, 3008² px, 3,76 µm – Auflösung 2,03″/px, Bildfeld 1,69° × 1,69°
- Filterrad: ZWO EFW 8× 1,25″ – sieben Antlia-Filter, alle 1,25″ gefasst mit 2 mm Glas (parfokal – ein Spacer-Stack, kein Umbau nötig):
- Schmalband – Antlia 4,5 nm Edge: H-alpha (Hα, 656 nm), OIII (Sauerstoff, 500 nm), SII (Schwefel, 672 nm)
- Breitband – Antlia LRGB V-Pro: L (Luminanz), R (Rot), G (Grün), B (Blau)
- Fokussierer: ZWO EAF am 2,5″-Zahnstangenauszug des GT81
- Guiding: WO 50 mm f/4 Leitrohr + ASI290MM Mini – 2,99″/px, ~1,5× der Aufnahme-Auflösung
- Taukontrolle: Dew-Not-Heizbänder an beiden Taukappen, automatisch gesteuert über einen Temperatur-/Feuchtesensor
- Flat-Panel: Deep Sky Dad OFP2 PRO auf der 103-mm-Taukappe des GT81 – motorisierte Klappe, die seitlich wegfährt, 12 Bit Helligkeit in 4096 Stufen, beheizt; geschlossen zugleich Staubschutz und Lichtblocker (Artikel dazu)
- Rig-PC: Beelink EQ14 Mini-PC (Windows 11) an einer VESA-Pier-Halterung
- Pier-Kamera: ZWO ASI662 (IMX662, 1920×1080) – fest am Pier montiert, mit Blick auf Rig und Dach
- Stromverteilung: Pegasus Pocket Powerbox Advance Gen2 + APC Back-UPS + Kasa HS300 Smart-Steckdosenleiste
Mechanischer Aufbau & optische Strecke
Der komplette Lastpfad vom Pier aufwärts, die Abbildungsstrecke vom GT81 bis zum Sensor (mit dem vollständigen Backfokus-Budget von 55,7 mm von der Flattener-Fläche bis zum Sensor) und der Guide-Strang auf den Rohrschellen:
Strom-, USB- & Netzwerk-Topologie
Der Netzstrom läuft über eine APC-USV in die Kasa HS300 Smart-Steckdosenleiste; die Pegasus PPBA Gen2 verteilt 12 V und USB auf der Montierung und steuert die Tauheizungen über ihren Temperatur-/Feuchtesensor. Der Beelink hängt mit statischer IP im Starfront-Netzwerk, und eine Pier-Kamera (ZWO ASI662) behält Rig und Dach im Blick:
Software-Stack
N.I.N.A. ist der Orchestrator – Advanced Sequencer, Autofokus, Meridian-Flip und das Ground-Station-Plugin für Alerts nach Discord. PHD2 übernimmt das Guiding, ASTAP das Plate-Solving und Pegasus Unity die Powerbox. Alles kommuniziert über die ASCOM-Plattform – jedes Gerät lässt sich tauschen, ohne dass N.I.N.A. etwas davon merkt. Der Fernzugriff aus Deutschland läuft über ein WireGuard-VPN und Remote-Desktop; die Kasa-Steckdosenleiste bietet Out-of-Band-Stromsteuerung – der einzige Weg hinein, wenn der PC selbst nicht mehr reagiert.
Datenpfad
N.I.N.A. schreibt FITS-Dateien auf die SSD des Beelink; rclone kopiert sie inkrementell und unbeaufsichtigt nach Dropbox. Zu Hause in Deutschland öffnet Siril die Dateien direkt aus Dropbox – kein manueller Transfer an irgendeiner Stelle.
Eine Nacht bei Starfront
Zeitraffer von der Pier-Kamera: