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12. August 2026  ·  🔭 Astronomie

Sieben Grad über dem Meer – die Sonnenfinsternis vom Strand in Tversted

Sonst schaue ich aus 8.500 Kilometern Entfernung durch ein Teleskop. Heute Abend stand ich mit meiner Familie im Sand von Tversted an der dänischen Skagerrakküste und schaute mit einer Pappbrille nach oben.

Es war schöner.

19:06

erster Kontakt

20:00

Maximum, 83,5 % bedeckt

20:52

letzter Kontakt

Wo das war

Karte der Nordspitze Jütlands mit Tversted zwischen Hirtshals und Skagen, dazu die Blickrichtung 286° WNW über den Skagerrak
Tversted liegt an der Nordküste Jütlands, 16 km östlich von Hirtshals und 29 km vor Skagen. Die Küste blickt nach Norden – die Sonne stand im Westnordwesten über dem Wasser.

Vorher gerechnet

Diese Simulation habe ich erstellt, um meine Familie auf die Sonnenfinsternis vorzubereiten.

Die Simulation für Tversted, als Standbild im Maximum – ein Klick spielt den ganzen Verlauf ab.

Die wichtigste Zahl darin ist nicht die Bedeckung, sondern die Höhe: 7,5 Grad. So tief stand die Sonne zum Maximum. Genau deshalb war der Strand der richtige Ort – eine Baumreihe oder eine Düne im Westen hätte gereicht, um den ganzen Abend zu verpassen. Beim letzten Kontakt um 20:52 stand die Sonne noch ein Grad über dem Horizont, eine Viertelstunde später ging sie unter.

Was zu sehen war

Die Finsternis begann um 19:06 und endete um 20:52. Im Maximum um 20:00 waren 83,5 Prozent der Sonnenfläche vom Mond verdeckt.

Leichte Wolken zogen den ganzen Abend durch, und ein paarmal sah es so aus, als würde daraus nichts. Ausgerechnet die entscheidende halbe Stunde um das Maximum war frei. Das war Glück, nicht Planung.

Strand von Tversted am Abend des 12. August 2026: zwei Zuschauer mit Sonnenfinsternisbrillen, im Hintergrund weitere Menschen und geparkte Autos an den Dünen
20:04 Uhr, drei Minuten nach dem Maximum. Wir waren nicht die Einzigen mit der Idee.

Bei 83 Prozent wird es übrigens nicht dunkel. Was von der Sonne übrig bleibt, ist immer noch viel zu hell, um hineinzusehen, und das Auge gleicht den Rest fast vollständig aus. Auf dem Bild sieht man das gut: ein warmer Sommerabend am Meer, drei Minuten nach dem Maximum. Ohne Brille hätte man den Unterschied kaum bemerkt.

Die Fotos

Fotografiert habe ich mit dem Handy bei fünffacher Vergrößerung und der Sonnenfinsternisbrille von Bresser einfach vor der Linse. Das ist keine Technik, das ist Improvisation – und genau deshalb geht es: Der Filter sitzt vor dem Objektiv, das Handy sieht dann nur noch die Sonne und sonst nichts.

Die Sonne mit einer Kerbe am oberen rechten Rand, rund ein Drittel bedeckt
19:30 – der Mond schiebt sich von rechts oben herein, etwa ein Drittel der Sonnenfläche ist weg.
Eine schmale Sonnensichel kurz vor dem Maximum, durch dünne Wolken fotografiert
20:00:28 – eine halbe Minute vor dem Maximum. Der orangefarbene Schleier drumherum sind die Wolken, durch die es gerade noch reichte.
Die Sonnensichel wenige Minuten nach dem Maximum
20:06 – schon wieder auf dem Rückweg.

Für Aufnahmen dieser Art gilt dasselbe wie fürs Hinschauen: nie ohne Filter, und der Filter gehört vor die Optik, nicht dahinter. Ein Handy nimmt einem das nicht übel, ein Auge schon.

Die Totalität selbst lief woanders – über Nordostgrönland, dann Westisland, und wenige Minuten nach unserem Maximum über Nordspanien. Dort war die Sonne für rund anderthalb Minuten ganz weg. Hier war sie eine Sichel über dem Wasser, mit Kindern daneben, die alle paar Minuten die Brille abnahmen, um zu prüfen, ob man es nicht doch auch so sieht.

Man sieht es nicht.

🔭 Der Kontrast dazu, in derselben Nacht: Die erste Session mit Astro PM →  ·  Das Rig, das dabei allein gelaufen ist: Mein Rig @ Starfront in Texas  ·  Meine Bilder: Astro Image Showcase