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7. August 2026  ·  🔭 Astronomie

Zweiter Anlauf auf 10P/Tempel 2 – und diesmal ist er drauf

Gestern lag ich 19 Grad daneben. Heute Morgen also noch einmal, mit dem, was ich inzwischen weiß.

Die Bedingungen waren perfekt: in Texas klarer Himmel, alle Systeme sauber hochgefahren, nichts hakte. Nur eine Sache war wie gestern.

Der MPC-Download geht immer noch nicht

Erster Griff war der Versuch, die Kometendaten diesmal beim Minor Planet Center statt bei JPL zu holen – denn nur das MPC führt die Bezugsepoche laufend nach, und genau daran war gestern alles gescheitert.

Dieselbe Fehlermeldung wie gestern. Zeitüberschreitung auf www.minorplanetcenter.net:443.

Woran das liegt, habe ich mir inzwischen separat vorgenommen. Kurz gesagt: Das MPC erlaubt pro IP-Adresse nur einen Download je zwölf Stunden, und bei Starfront hängen über 900 Rigs an einer gemeinsamen Glasfaserleitung – teilen sich damit aller Wahrscheinlichkeit nach auch die öffentliche Adresse. Beweisen lässt sich das allerdings nicht: Die dokumentierte Folge der Sperre wäre eine leere Datei, keine Zeitüberschreitung. In der heutigen Session wollte ich daran ohnehin nicht hängenbleiben.

Nebenbei, weil es hier um genau diese MPC-Datei geht: Das MPC selbst führt den Kometen nur als 10P/Tempel – ohne die 2. Die Ziffer unterscheidet ihn von 9P/Tempel 1, ebenfalls von Wilhelm Tempel entdeckt. Sie ist historische Konvention und nicht Teil der offiziellen Bezeichnung: JPL und die Literatur schreiben sie mit, das Namensfeld des MPC nicht.

Also von Hand

Der Weg, der gestern Abend übrig blieb, ist auch der einfachste: die echten Koordinaten aus JPL Horizons direkt in den Framing Assistant von N.I.N.A. eintragen.

Zeit (CDT, 7. August) RA Dec
01:0021:57:17−26° 53′ 41″
Der Framing Assistant in N.I.N.A. mit von Hand eingetragenen Koordinaten, Bildfeld-Rechteck über dem Sky Survey und Höhenkurve
Der Framing Assistant mit den Koordinaten aus JPL Horizons. Kein Plugin, kein Objektname – nur RA, Dec und das Bildfeld meiner Kamera über dem Sky Survey. Unten die Höhenkurve: Transit im Süden bei 32°.

Es war 01:04 Uhr, als ich anfing. Die Werte passten also praktisch auf die Minute – der Komet wandert ohnehin nur gut eine Bogenminute pro Stunde, bei 1,7° Bildfeld ist die Uhrzeit damit fast beliebig.

Anfahren, zentrieren, fertig. Kein Offset, kein Plugin, kein Sync-Drama.

Das erste Bild: 900 Sekunden Luminanz

Statt gleich eine Sequenz zu starten, habe ich einen einzelnen Schnappschuss über das Imaging-Fenster gemacht – 900 Sekunden, bewusst weit jenseits dessen, was das Plugin als Obergrenze nennt.

Die Rechnung dahinter:

Eigenbewegung0,0201″/s = 72″ pro Stunde
Max Exposure laut Plugin98,8 s (= ein Pixel)
900 s18,1″ = 8,9 Pixel
zum Vergleich: Sternbreite1,71 px

Knapp neun Pixel Versatz gegen 1,7 Pixel Sternbreite – fünfmal so viel, wie ein Stern breit ist. Genug, um es auf den ersten Blick zu sehen.

900-Sekunden-Luminanzaufnahme: der Komet als scharfer, diffuser Fleck in der Bildmitte, alle Sterne als kurze Striche in dieselbe Richtung
900 s Luminanz, ein einzelnes Bild. Der Komet in der Mitte ist scharf – und jeder Stern im Feld ist ein kurzer Strich.

Und da ist etwas. Und es bewegt sich. Nur andersherum, als ich erwartet hatte.

Ich hatte mit einem Kometenstrich vor punktförmigen Sternen gerechnet. Bekommen habe ich das Gegenteil: einen punktförmigen Kometen vor Sternstrichen. Die Montierung ist in diesen 900 Sekunden also dem Kometen gefolgt, nicht den Sternen.

Nachgemessen an 439 Sternen des Bildes:

gemessene Strichlänge8,7 px = 17,7″
Eigenbewegung des Kometen in 900 s8,9 px = 18,1″
Abweichung2 %

Alle Striche zeigen zudem in dieselbe Richtung, die Streuung liegt bei 3 Grad. Das ist kein Guiding-Fehler und kein Zufall – das ist exakt die Bahnbewegung des Kometen, seitenverkehrt in die Sterne geschrieben.

Nach gestern ist das der Moment, auf den es ankam. Nicht die Bildqualität, nicht der Schweif – nur die Bestätigung, dass die ganze Kette diesmal auf demselben Fleck Himmel landet wie der Komet.

Danach eine richtige Sequenz

Mit der Gewissheit dann LRGB, jeweils 60 Sekunden:

Filter Frames
L8
R5
G5
B5
Summe23 Frames = 23 Minuten

60 Sekunden sind hier die vernünftige Wahl: In einem Einzelbild macht die Eigenbewegung 0,59 Pixel aus – das sieht man nicht.

Über die ganze Sequenz hinweg summiert sich das allerdings auf 13,7 Pixel. Gestapelt habe ich auf die Sterne, also bleibt diese Wanderung im fertigen Bild stehen: Die Sterne sind rund, der Komet ist um knapp vierzehn Pixel verschmiert. Sauberer wäre, zweimal zu registrieren – einmal auf die Sterne, einmal auf den Kometen – und beides zusammenzusetzen. Das steht noch aus.

Das fertige LRGB-Summenbild: 10P/Tempel 2 als grünlich-blaue Koma mit hellem Kern vor einem dichten Sternfeld
23 Minuten LRGB, auf die Sterne registriert. Die Koma füllt gut ein Fünftel des Bildfelds, das Grün stammt vom ausgasenden C2. Ein Schweif ist nicht zu sehen – bei dieser Geometrie zeigt er fast direkt von uns weg.

Zum Schluss noch plate-gesolvt und annotiert – das ist der eigentliche Beweis:

Dasselbe Bild mit Plate-Solving-Annotation: Koordinatengitter, 23 beschriftete Sterne und Galaxien – der helle Kern in der Bildmitte bleibt ohne Beschriftung
Dasselbe Bild, plate-gesolvt und annotiert. Bildmitte 21h 57m 17,0s / −26° 53′ 19″, Abbildungsmaßstab 2,04″/px – beides passt auf die Bogensekunde zu dem, was ich eingetragen hatte. 23 Objekte sind beschriftet, Sterne und ein paar Galaxien. Nur der helle Kern in der Bildmitte trägt keine Beschriftung – die Marke HD 208484 daneben zeigt mit ihrem Pfeil auf einen Stern, nicht auf ihn. Kein Katalog kennt an dieser Stelle etwas. Genau das ist der Beweis, dass es der Komet ist.

Was noch fehlt

Mehr Belichtungszeit. 23 Minuten haben mir erst einmal gereicht. Mal schauen, ob ich in den nächsten Tagen noch mehr sammle – der Komet steht weiter günstig.

Die doppelte Registrierung. Solange auf die Sterne gestapelt wird, bleiben die knapp vierzehn Pixel Kometenwanderung im Bild. Mal schauen, ob ich mich da einarbeite.

Die Sache mit dem Tracking. Dass die Montierung dem Kometen gefolgt ist, war mir während der Nacht nicht klar – das habe ich erst beim Nachmessen der Sternstriche gesehen. Woher die Rate kommt, muss ich noch herausfinden.

Der MPC-Download ist der einzige Punkt, der inzwischen erledigt ist: Warum er scheitert und wie man ihn umgeht, steht im Artikel dazu. Beim nächsten Mal muss ich die Koordinaten also nicht mehr von Hand eintragen.

Quellen

JPL Horizons – Ephemeride für 10P/Tempel 2, Standort Starfront (Texas)
MPC Status Page – Downloadsperre pro IP-Adresse
Starfront Observatories – Standort des Rigs
Siril – Stacking und Plate-Solving-Annotation

🔭 Der erste Anlauf: Mein erster Komet – und warum ich 19 Grad danebenlag →  ·  Warum der MPC-Download scheitert: Das Workaround-Skript  ·  Das Rig dazu: Mein Rig @ Starfront in Texas